Das Erwachen der Seele - die dunkle Nacht
- Constanze Reichstein

- 27. Apr.
- 4 Min. Lesezeit
Und plötzlich, da geschieht es, dass alles zerfällt, nichts ist mehr, wie es vorher war und wird auch nie wieder so sein…
Kalt, von innen und außen durchzieht es mich,
eisig, mein Körper unbewohnt und taub.
Die Leere frisst die letzte Hoffnung.
Ich ersticke fast an meinen Tränen,
mein Hals völlig zu, Schmerz, der mir den Atem nimmt.
Der dunkelste all meiner Schatten.
Zu viel, um es zu tragen.
In der Dunkelheit breitet sich die Trauer aus. Sie bringt alles zum Stillstand.
Nebel um mein Herz und ein Abgrund tausend Tränen tief.
Alles vorbei, alles vorbei.
Von weit her ein leises Echo. „Lass los“ flüstert es.
Was? In all dem Chaos treffe ich hinter allen Zweifeln – Mich.
Lass los, was du nicht tragen kannst sage ich zu mir.
Nimm nur dich mit, und halte dich ganz zart, ganz weich,
als wärst du dir der liebste Mensch. Mehr braucht es nicht.
Dann bist du gehalten, beschützt und geliebt – immer.
Einmal innerlich sterben bitte. Eine große Portion Trauma nochmal durchleben mit allen Extras, Körpersymptome, Schlafstörungen, emotionaler Absturz, bitte obendrauf ganz viel Mindfuck. Zum Nachtisch bitte Unverständnis von der Außenwelt.
Es klingt alles so überspitzt, doch ungefähr so kann es sich anfühlen, wenn du durch eine Zeit gehst, in der du tiefliegende Themen transformierst. Der Boden unter deinen Füßen verschwindet und du fällst ins Ungewisse. Das kann einen Lebensbereich betreffen, aber auch mehrere gleichzeitig. Zeit für Veränderung! Es ist deine Einladung vom Leben, dich wirklich hinzugeben, zu vertrauen, auf das, was noch gar nicht sichtbar ist. Und auch zu vertrauen in dich, in deine Wahrnehmung, in deinen Weg. Und der unterscheidet sich mit Sicherheit stark von dem, was gesellschaftlich akzeptiert ist. Denn genau so werden obsolete Strukturen gelöst und neue integriert. Es ist deine Neugeburt in dein wahres Selbst. Und sie kostet dich deine alte, nicht authentische Maskenidentität. Du räumst hier alles aus, um und auf. Loslassen ist ein ganz großer und wichtiger Teil in diesem Prozess. Loslassen von Glaubenssätzen, Mustern, Erwartungen, aber auch Loslassen von Verbindungen, von denen du dachtest, dass sie auf Lebenszeit wären. Vielleicht ändert sich auch schlagartig deine berufliche Situation, deine finanzielle Stabilität zerbricht oder dein Körper teilt dir durch Krankheit klar mit, dass du so nicht weiter machen kannst.
Und dann kämpfst du, hältst krampfhaft fest an dem, was vertraut ist, weil es sich sicher anfühlt aus Gewohnheit, auch wenn es dir vielleicht gar nicht wirklich gut geht damit. Es ist eine Form von überleben, aber nicht leben. Und wenn die Dunkelheit dich dann einhüllt, dein Körper bleischwer wird, dann könntest du fast meinen du wärst depressiv, weil du vielleicht auch deinen Alltag kaum noch auf die Reihe bekommst. Innerlich bist du so sehr im Widerstand mit dem, was ist, kannst und willst es nicht akzeptieren, willst das alles wieder gut wird, und das so schnell wie möglich. Es ist möglich, dass du dich absolut isolierst in diesem Prozess. Es ist wie die Geschichte von der Raupe, die zum Schmetterling wird. Ja, schon tausend Mal gehört, aber wirklich mal tiefer hingeschaut? Die Raupe fühlt, dass die Zeit ihrer Transformationsreise gekommen ist, in ihrem Kokon zersetzt sich der Körper, zerfällt quasi zu Raupenmatsch, eine undefinierte Masse, keine Möglichkeit zurückzugehen. Dann zucken hier und da neue Zellen des entstehenden Schmetterlings auf, die werden zunächst wieder zersetzt, solange bis es immer mehr werden und der Schmetterling sich wirklich durchsetzt. Und dann, auf dem Weg des Wachstums, da entsteht durch den Kokon immer mehr Druck auf den Schmetterling, es ist der Widerstand von außen, gegen den er bestehen muss. Es ist genau dieser Druck, der ihn in seiner Entwicklung unterstützt. Die Kraft, die er aufbringen muss, um sich aus dem Kokon zu befreien, sich zu entfalten, ist die gleiche, die er später braucht, um fliegen zu können.
Und von all dem, was da im Kokon abgeht, bekommt die Außenwelt nichts mit, es scheint, als würde sich nichts verändern, als würde der Kokon ruhen, fast leblos. Faszinierend, oder nicht?
Die Chancen stehen ganz gut, dass dein Umfeld nicht versteht, was da mit dir passiert. Und kannst es wahrscheinlich auch nicht erklären, weil du es vorher noch nicht erlebt hast und auch Keinen kennst, der durch diesen Prozess gegangen ist. Möglich, dass deine Außenwelt auch mit verbalem Unverständnis reagiert. Und das ist total okay. Und du musst es auch nicht rechtfertigen, jetzt nicht, und auch im Verlauf nicht, wenn du weiter gehst in deiner Entwicklung! Das ist nicht verurteilend gemeint, doch die meisten Menschen sind sehr stark in ihrem Kopf, sie meinen fast alles ließe sich verstandesbasiert lösen. Doch so einfach ist es eben nicht. In dem Prozess des Erwachens katapultiert es dich in Bereiche, auf die der Verstand keine Antwort hat.
Wenn du also durch eine dunkle Nacht der Seele gehst, und ja, es können mehrere sein (die erste ist aber mit Abstand die Schwerste), dann erinnere dich an diesen Schmetterling. Mache dir auch bewusst, dass dieser Prozess, so schwer er sich auch anfühlt, ein riesiges Geschenk ist, der dich mehr in deine Kraft bringt, näher zu dir selbst, in deine Wahrheit, in deine Liebe. Und erinnere dich auch dass diese Dunkelheit nicht ewig andauert. Und je eher du dir erlaubst, das was ist, anzunehmen, desto schneller tauchst du auf der anderen Seite wieder auf, neu, als Schmetterling. Oder als Phönix aus der Asche, was dir besser gefällt als Bild...
Und vergiss nicht, du bist belgeitet, beschützt und geliebt – immer!



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